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Die Freiheit für eine Homeschool

In unserem Dorf wurde ein ganzer Hang mit modernen Terrassenhäusern überbaut: Keine einzige Familie mit Kindern ist dort eingezogen. Unsere Kreisschule, wo ich unterrichte, verzeichnet seit Jahren keinen Schülerzuwachs, obwohl in den umliegenden Gemeinden gleichzeitig ein beispielloser Bauboom im Gange ist. Ob die Gleichstellungs-, Gender- und Klimapolitik für diese offensichtliche Haltung junger Menschen, besser keinen Nachwuchs zu bekommen, verantwortlich ist? – Jedenfalls stellen Kinder heutzutage ein nicht geringes Risiko dar. Junge Paare stehen vor der Frage: Werden wir zusammenbleiben und gemeinsam die Verantwortung für unsere Kinder tragen können?

Die Homeschool-Bewegung in der Schweiz konterkariert diese Entwicklung in einer erfrischenden Weise. Viele Familien, die zu unserer Bewegung hinzustossen, sind junge Familien mit mehreren Kindern. Die Eltern strecken oft schon vor dem Schuleintritt ihres ersten Kindes ihre Fühler aus, um die Chancen und Risiken des elterlichen Privatunterrichtes auszuloten. Das vorverschobene Schuleintrittsalter des Harmos-Konkordates löst in vielen jungen Frauen einen urtümlichen und starken «Mutter-Reflex» aus: «Wir haben unsere Kinder nicht auf die Welt gebracht, um sie bereits als Vierjährige ganztags in fremde Hände zu geben!» Wohl im Bewusstsein der aktuellen Risiken für Familien, Kinder und Beziehungen planen diese jungen Paare ihre Zukunft strategisch und streben gemeinsam ihre Ideale von Zusammenleben, Erziehung und Bildung an. Gestaltungskraft, Pioniergeist und Idealismus zeichnen diese Leute aus – und das meistgenannte Motiv für elterlichen Privatunterricht ist die Befürchtung, dass die natürliche Lernfreude der Kinder in der Schule verloren gehen könnte. Schon Albert Einstein hatte diese Befürchtung: «Es ist eigentlich wie ein Wunder, dass der moderne Lehrbetrieb die heilige Neugier des Forschens noch nicht ganz erdrosselt hat; denn dies delikate Pflänzchen bedarf neben Anregung hauptsächlich der Freiheit; ohne diese geht es unweigerlich zugrunde.»

Diese Freiheit ist in unserem sonst so freiheitsliebenden Land bedroht. Argwöhnisch und misstrauisch wird die Homeschool-Bewegung von Behörden, Politikern und Richtern beäugt und nicht vorurteilsfrei mit Stereotypen etikettiert – zumeist aus schierer Unkenntnis heraus. Genauer wissen wollte es Prof. Dr. Johannes Reich vom Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich. Er veröffentlichte 2012 einen Aufsatz mit dem Titel «‹Homeschooling› zwischen elterlichem Erziehungsrecht, staatlicher Schulpflicht und Kindeswohl». Er schreibt: «Dies hat Folgen für die Aufgabe von Verwaltungs- und Gerichtsbehörden. Gut organisierte und durchsetzungsstarke Interessengruppen sind in einem demokratischen Verfassungsstaat bereits über den politischen Prozess regelmässig hinreichend vor ungerechtfertigten Eingriffen in ihre Rechtspositionen geschützt. Gruppen, die über kein derartiges Mobilisierungspotenzial verfügen, sind demgegenüber in besonderer Weise auf eine unvoreingenommene Beurteilung ihrer Sache durch unabhängige Gerichte angewiesen.»

Willi Villiger ist zehnfacher Familienvater, Lehrer an der Volksschule und Präsident des Vereins «Bildung zu Hause Schweiz».