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Bestenfalls ist die Zeit der Kindheit ein Paradies, von dem man einen Teil auch im Erwachsenenalter in sich bewahrt. Oder sie wird zum Wunschland, in das man sich zurückträumen kann. Im Schweizer Kindermuseum in Baden gibts alles unter einem Dach: Kindheit, Kinderträume und etwas für das Kind im Mann und in der Frau.

von Christine Schnapp

Entstehungsgeschichte des Museums
Auf die Welt kam das Schweizer Kindermuseum, oder eine Vorahnung davon, 1965, als das Badener Ehepaar Sonja und Roger Kaysel begann, sich intensiv mit der Kultur rund um das Thema Kindheit zu beschäftigen, und während der Baby- und Kinderjahre des Museums anfing, Objekte und Dokumente zu 300 Jahren Kindheitsgeschichte zu sammeln. Die Teenagerjahre ihrer Idee verwandte das Ehepaar Kaysel darauf, ein konkretes Projekt für ein Kinder- und Spielzeugmuseum zu erarbeiten. 1983 wurde zu diesem Zweck ein Förderverein gegründet, und bereits zwei Jahre später konnte ein erstes – noch kleines – Kindermuseum eröffnet werden. Zwei Räume in einem Haus in der Badener Altstadt standen dafür anfangs zur Verfügung, bis die schnell wachsende Sammlung schlussendlich 18 Räume beanspruchte und noch immer aus allen Nähten platzte. So wurde 1996 eine Stiftung gegründet, mit dem Ziel, dereinst in ein eigenes, grösseres Museum ziehen zu können. Mehrere grosszügige Schenkungen ermöglichten schlussendlich den Erwerb der Villa Funk in Baden – bis heute der Standort des Museums –, sodass 2002 das Schweizer Kindermuseum in seiner heutigen Form eröffnet werden konnte. Mittlerweile wird das Museum von Marcel und Daniel Kaysel, den Söhnen des Gründerpaares, geführt. 2010 konnte das 25-jährige Jubiläum gefeiert werden und 2019 erfolgte die Generalüberarbeitung der Dauerausstellung. Das Schweizer Kindermuseum und seine Gründer Sonja und Roger Kaysel wurden mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen honoriert.

Aufbau des Museums
Das Museum ist aufgeteilt in die aktuell überarbeitete grosse Dauerausstellung, zwei jährlich wechselnde Sonderausstellungen und einen Bereich, in dem die Kinder – noch mehr als bereits in der Ausstellung – spielend und ausprobierend tätig sein können. In der Dauerausstellung ist die ganze Bandbreite kindlicher Lebenswelten und Interessen im Wandel der Zeit thematisiert: Literatur, Musik, Naturobjekte, Puppen, Spielzeuge, Spiele, Schule, Theater, Verkehr und vieles mehr. Die Ausstellung ist zum Anfassen, zum Zuhören, zum Ausprobieren und Erforschen konzipiert und bietet immer wieder Anknüpfungspunkte auch für die Erwachsenen.
Das Kindermuseum macht gut sichtbar, wie stark Kinder- und Erwachsenenkultur zusammenhängen, etwa beim Spielzeug, das über weite Strecken ein Abbild der Erwachsenenwelt ist.

Geschichte der Kindheit
So alt ist das gesellschaftliche Konzept «Kindheit» noch nicht – im Kindermuseum werden 300 Jahre Kinderkultur thematisiert –, auch wenn die Forschung uneins ist über den Zeitpunkt, ab dem man zumindest in bestimmten Kulturen von Kindheit sprechen kann. Klar ist hingegen, dass Kinder lange Zeit ihren Familien als Arbeitskräfte dienten und es der Anstrengung initiativer Pädagoginnen und Pädagogen bedurfte, um einen geschützten Lebensabschnitt Kindheit gesellschaftlich durchzusetzen. Auch dieser Themenbereich in der Dauerausstellung wurde überarbeitet, und so berichten nun Kinder aus verschiedenen Jahrhunderten aus ihrem Alltag. So zum Beispiel Rudolf Hugentobler, der um 1790 von seinem Leben auf dem elterlichen Bauernhof erzählt. 100 Jahre später gibt Johanna Bürki Einblick in ihren harten Alltag in einer Spinnerei. Peter Burkhardt wiederum berichtet aus seiner Kindheit während des Zweiten Weltkriegs. Wie die Kindheit der Zukunft aussehen könnte, das zeigt der Zukunftsforscher Georges T. Roos an einer Filmstation.