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Pflegeberufe: Taten statt Worte!

Die Corona-Krise hat die Pflege ins Blickfeld der Öffentlichkeit katapultiert. Plötzlich wurde der Bevölkerung bewusst, was die Pflege im Gesundheitswesen leistet. Es wurde vielen klar, dass man innert kurzer Zeit Maschinen produzieren kann, um schwer erkrankte Patientinnen und Patienten zu beatmen, entsprechend ausgebildetes Intensivpflegepersonal hingegen Mangelware ist.

Die Schweiz bildet seit Jahren zu wenig Pflegepersonal aus. Bei den diplomierten Pflegefachpersonen sind es gerade mal 43 Prozent des Bedarfes. Fast die Hälfte der Fachleute steigt nach wenigen Jahren frustriert und ausgebrannt aus. Die Folge: Rund 10 000 Stellen sind vakant. Bis 2030 bräuchte es 65 000 zusätzliche Pflegende, davon 29 000 Diplomierte. Wir steuern auf einen dramatischen Pflegenotstand zu!

Mit der Volksinitiative für eine starke Pflege verlangen wir endlich griffige Gegenmassnahmen. Es müssen genügend Pflegende ausgebildet sowie bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Dazu gehört, dass es auf den Schichten auch mehr gut und genügend ausgebildetes Personal hat, um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten. Zudem sollen Pflegefachpersonen mehr Autonomie erhalten, damit der Beruf attraktiver wird.

Doch hat die Politik aus der Krise gelernt? Daran darf gezweifelt werden. Die Mitglieder des Ständerats sagten zwar bei der Debatte zum indirekten Gegenvorschlag «Danke für den Einsatz, liebe Pflegende», ruderten aber gegenüber dem Vorschlag des Nationalrates zurück. Übrig blieb eine halbherzige Ausbildungsoffensive. Bessere Arbeitsbedingungen? Fehlanzeige. Massnahmen, die zu höherer Patientensicherheit und Personalerhalt führen? Nein. Besonders stossend: Der Ständerat will die autonome Abrechnung an eine «Vereinbarung» mit den Kassen knüpfen. Mit dem Scheinargument der «Kostenexplosion» wird der Kampf um die Vertragspflicht einmal mehr auf dem Buckel der Pflege ausgetragen.

Dass man mit einer qualifizierten pflegerischen Versorgung sparen könnte, wird von der Mehrheit der Politikerinnen und Politiker weiterhin ignoriert. Doch Studien belegen: Mit genug gut qualifizierten Pflegenden werden Komplikationen und Verschlechterungen des Gesundheitszustands bei Patientinnen und Patienten frühzeitig erkannt und die richtigen Massnahmen ergriffen. In Pflegeheimen und in der Spitex werden dadurch unnötige Spitaleinweisungen verhindert und allein daraus ergibt sich ein Sparpotenzial von 1,5 Milliarden. Und das ist «nur» die finanzielle Perspektive. Das menschliche Leid, das dadurch verhindert wird, lässt sich nicht beziffern.

Investitionen in die Pflegenden lohnen sich! Ich wünsche mir, dass unsere Volksvertreterinnen und Volksvertreter das endlich erkennen und netten Worten auch Taten folgen lassen. Ein Merci reicht nicht!

 

Yvonne Ribi ist Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK.

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