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Viele Probleme lassen sich nicht schnell oder gar nicht beseitigen. Da hilft ein Delegieren an eine höhere Instanz. Sie soll handeln, wenn man selbst nicht kann. Eine spirituelle Selbstfürsorge, die hilft.

Beruflich war sie erfolgreich. Sandra wusste genau, was sie wollte, und konnte sich auch durchsetzen. Ihr Privatleben war ebenso gut organisiert: Steuerberater mit entsprechenden Optimierungen, Versicherungen für alle Eventualitäten, berufliche Vorsorge bestmöglich gestaltet, eine dritte Säule aufgebaut. Sandra hatte ihr Leben im Griff – bis auf einen Punkt: In Beziehungen hatte sie kein Glück. Sie begab sich in Konstellationen, in denen sie zu kurz kam und objektiv betrachtet nur ausgenutzt wurde. Das nagte an ihr. Sie suchte sich bei Psychologen Hilfe, die mit Erklärungen und neuen Erkenntnissen für Erleichterungen sorgten. Das half allerdings nur vorübergehend. Wieder einmal stark gebeutelt geriet sie an einen Therapeuten, der ihr schonungslos erklärte, sie könne nichts machen, das sei nun einmal einfach so. Die einen hätten gute Beziehungen, aber viele Probleme im Berufsleben. Andere seien sehr erfolgreich im Beruf, aber erfolglos in der Liebe. Er kenne jedoch eine Methode, wie man mit dieser nicht transparenten Verteilung des Glücks über die Runden komme. Man könne die Verantwortung für den Istzustand an die Instanz zurückgeben, die das Glück verteilt habe. Für die einen sei das der Zufall, für die anderen das Schicksal, eine höhere Macht oder Gott. Das mache frei und auch empfänglich für Neues, das man gar nicht in Betracht ziehe, sagte der Therapeut. Sandra schien das sonderbar, weil es jenseits der rationalen Welt lag, in der sie sich zu Hause fühlte. Dennoch gelang es ihr, den unkonventionellen Rat zu befolgen, wenn sie von einer Gefühlsbrandung erfasst wurde. Sie machte sich einen Satz zum Begleiter: «Ich lege das jetzt in die Hände der oberen Instanz.» Bei einer Krebserkrankung wähnt man sich auch in den «guten Händen» eines Onkologen, in einem Erbschaftsstreit in jenen eines Rechtsanwalts, was zu Erleichterung und Zuversicht führt. Ob das Erhoffte dann tatsächlich auch eintrifft, zeigt ohnehin erst die Zukunft. Deshalb sind unlösbare Probleme in den anonymen Händen einer Oberinstanz gut aufgehoben. Die Überantwortung des Problems hilft nicht sofort, aber allmählich. Wie also konkret vorgehen? Wenn die Gedanken zu bohren beginnen, gilt es, die schmerzliche Seelenarbeit abzubrechen und sich ganz klar einzugestehen, dass man dieses Problem jetzt nicht lösen kann. Aus diesem Grund lege man es in die Hände der Oberinstanz. Das klappt bei jeder Wiederholung besser.

Anton Ladner